Gleichschaltung der evangelischen Kirche - "Braune Synode"

In Schleswig-Holstein – und damit auch in Neumünster – begann die massivste Einflussnahme durch die sogenannte „Braune Synode“ vom 12. September 1933. Ca. 85 % der Delegierten gehörten den Deutschen Christen an und verabschiedeten dort den „Arierparagraphen“, der die Aufhebung der Bischofsämter und Übertragung der synodalen Befugnisse an einen Landeskirchenausschuss beinhaltete.1 Damit wurden auch im kirchlichen Bereich demokratische Strukturen ausgehebelt und das nationalsozialistische („rein arische“) Führerprinzip umgesetzt. Neue Kirchengesetze stellten an den Kirchenbeamten und Geistlichen die Forderung, dass er „rückhaltlos für den nationalen Staat eintrete und arischer Abstammung sei“.2 Damit waren Kirchenangestellte nicht mehr Gott, sondern dem Staat verpflichtet.

Bekanntester und einflussreichster „Deutscher Christ“ und SA-Mann Neumünsters war Propst R. Steffen. Seine Amtseinführung im Dezember 1933 gipfelte nach dem Gottesdienst in einem Marsch zum Großflecken, an dem sich SA, SS und Stahlhelm beteiligten. Propst Steffen erklärte in der dortigen Rede, „Seelsorger sein, bedeute nicht, den Einzelnen zu erkennen, sondern unser deutsches Volk in seiner Gemeinschaft.“3
Oberbürgermeister Stahmer hob nochmals die Verbundenheit von Staat und Kirche hervor und definierte als ihre Aufgabe „… Volk und Land zu dienen, das ist der Beruf der Kirche.“4
Somit stand in Neumünster mit dem neuen Propst ein (überzeugter) Nationalsozialist als Garant für die Umsetzung nationalsozialistischer Vorstellungen in der Glaubensarbeit an der Spitze der Gläubigen und des Kirchenpersonals. (Im Laufe der NS-Diktatur soll Propst Steffen einige seiner Einstellungen geändert haben und trat 1934 aus den Deutschen Christen aus.5)
Ebenso zeigte die Kirche nach außen Verbundenheit zum Establishment. Bei Gottesdiensten marschierten SA, SS, HJ und Stahlhelm in Uniform und mit Fahnen ein, welche neben dem Altar postiert werden durften. Aber auch sonst „…ergibt sich für die Kirche die Verpflichtung, auch äußerlich Zeugnis abzulegen. In der Zeit der parteipolitischen Auflösung der Volksgemeinschaft wurde folgerichtig für die Kirche ein eigenes Symbol, die Kirchenfahne, eingeführt. Jetzt aber ist unser Volk aus seiner Parteizerrissenheit erlöst und ein einziges deutsches Volk geworden. Es wird daher angeordnet: Bei allen festlichen Anlässen (…) die Hoheitszeichen des Reiches, schwarz-weiß-rote und Hakenkreuzfahne zu hissen.6

SA-Aufmarsch am Bahnhof. Sammlung: C. Rathje