Braune Falle 17.02.14 - Eröffnungsrede von Henning Möbius, Vorsitzender der Lenkungsgruppe des Runden Tisches

Sehr geehrte Gäste dieser bemerkenswerten Ausstellungseröffnung!


Als vor etwa einem Jahr der Vertreter der Sportvereine am „Runden Tisch für Toleranz und Demokratie“ anregte, die Ausstellung „Die Braune Falle“ nach Neumünster zu holen, wussten die meisten Teilnehmer nichts mit diesem Begriff anzufangen. Stutzig machte uns auch die Information, dass die Ausstellung vom Verfassungsschutz konzipiert wurde, eben jener Behörde, die in so verhängnisvoller Weise in tödliche Pannen bei der Verfolgung des NSU verwickelt war. Da sich der „Runde Tisch“ jedoch vorrangig der Prävention verschrieben hat und diese Ausstellung sich besonders an Jugendliche wendet, wurden wir hellhörig. Nachfragen bestätigten den Eindruck: Ja diese Ausstellung ist gut.  Wir wollen sie haben und zwar zentral im Rathaus. Wir sind der Stadtverwaltung und insbesondere dem Büro des Herrn Oberbürgermeisters sehr dankbar, dass er dann zusammen mit dem Verfassungsschutz sehr zügig die entsprechenden Vorbereitungen angepackt hat.

Wenn Sie sich weiter informieren wollen über dieses Thema und über die Projekte, die der RT angegangen ist und in der nahen Zukunft plant, schauen Sie in unsere Homepage www.nms-bunt-statt-braun.de. Sie wird tagesaktuell gepflegt und wurde in den letzten beiden Jahren bereits von vielen Tausenden Menschen aufgesucht.
Alle demokratischen Kräfte dieser Stadt aus Vereinen, Gewerkschaften, Kirchen, Parteien, Bündnissen und anderen Institutionen am RT haben aber neben der Prävention bei Jugendlichen noch einen zweiten Fokus im Blick: Das ist die Aufmerksamkeit. So machte mich am vergangenen Sonnabend ein aufgebrachter Bürger darauf aufmerksam, dass er ein aufhetzendes Flugblatt in seinem Briefkasten erhalten hat. Unter der Überschrift "Sicher leben Asylflut stoppen" weist die NPD darauf hin, dass bei steigender Kinder- und Altersarmut und zerfallenden Brücken und Schulen Millionen für abertausend Wirtschaftsflüchtlinge bereitgestellt werden. Sie bittet dann, die NPD im Kampf um Heimat und Kultur zu unterstützen, keine Erweiterung des Asylantenheims in Neumünster zuzulassen und gegen Masseneinwanderung und Asylmissbrauch einzuschreiten. Gleichzeitig stellt morgen der Vertreter der NPD im Rathaus den Antrag, deutlicher gegen die Gewalt der Linken vorzugehen. Dies sind die Stimmen von Brandstiftern, meine Damen und Herren. Wir verfolgen sensibel jegliche Strömung in unserer Neumünsteraner Gesellschaft – auch im Netz – die daran arbeitet, unser friedliches, demokratisches Zusammenleben zu untergraben und zu zerstören. Und wir machen sie öffentlich. Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe sind irgendwann auch einmal in „Braune Fallen“ getappt, als sie sich als Jugendliche nach Orientierung für ihr Leben umsahen. Auch in NMS gibt es diese „Braunen Fallen“. Auch hier gibt es junge Menschen, hinter denen sie bereits zugeschnappt sind, als sie nach Identität stiftender Anerkennung suchten. Und auch hier brüllen sie die dümmlichen Parolen der Neonazis nach.

Es dauerte sehr lang, bis wir alle begriffen hatten, dass mit Ende des 2. Weltkrieges eben nicht der braune Spuk vorüber war. Nein, oft in gesicherten Positionen konnte er überleben und wird bis auf den heutigen Tag und in weite Zukunft immer wieder neu geboren und betreibt sein zerstörerisches Geschäft. Darum müssen wir aufmerksam sein. Darum brauchen wir diese Ausstellung. Und darum hat das „Bündnis gegen Rechts“ eine Dokumentation über die „Braunen Fallen“ in unserer Stadt erarbeitet, die in wenigen Tagen vorgelegt wird.

Ich wünsche dieser Ausstellung viel Beachtung in der Öffentlichkeit, besonders bei den Jugendlichen.