Geschichtsrevisionismus in der AfD Neumünster

Wie das Bündnis gegen Rechts Neumünster (BgR) soeben erfuhr, hat das Freie Sender Kombinat (FSK) Hamburg am 10. Mai ein Radiointerview mit Kay Albrecht vom Kreisverband der Neumünsteraner "Alternative für Deutschland" (AfD) geführt.

Das BgR möchte im Folgenden kurz darstellen, welche offensichtlich rechtslastige politische Haltung Albrecht einnimmt, und wiedergeben, wie er den Zweiten Weltkrieg bewertet, den Angriffskrieg, der nach übereinstimmender wissenschaftlicher Forschung alleine vom deutschen Faschismus zu verantworten war und "von deutschem Boden ausging".

Das FSK-Interview ist unter diesem Link gesendet worden; Auszüge finden sich auch hier in diesem Artikel (dazu bitte einfach auf das Mediensteuerelement klicken).

Geschichtsrevisionist Kay Albrecht behauptet darin, dass Deutschland den Zweiten Weltkrieg "weder provoziert noch gewollt hat" und dass beide Seiten "froh darüber gewesen waren, dass sie erst mal einen Krieg machen konnten". Das muss man sich einmal vorstellen: Diese Legende, dass Polen siegessicher und übermütig hurraschreiend in den Krieg zog, die der nationalsozialistischen Propaganda entstammt, wird im Jahr 2014 munter in ein Mikrofon gesprochen. Kein Wort des Bedauerns, dass in Polen mehr als 16.000 ZivilistInnen von der deutschen Wehrmacht und von den von Heinrich Himmler aufgestellten Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD ermordet wurden, dass über 66.000 Polen ihr Leben durch Hitlers Überfall verloren, dass fast 700.000 Polen in deutsche Kriegsgefangenschaft gingen oder dass die planmäßigen Massenmorde in Polen den von den Nazis politisch gewollten Auftakt zum Holocaust darstellten. Bei Albrecht wird das ganz einfach reduziert auf die Formeln, dass "man sich einig gewesen ist, dass das (Anm.: der Krieg) mal wieder an der Zeit gewesen ist" und "dass mehr oder weniger die ganze Welt einen Krieg dringend aus wirtschaftlichen Gründen gebraucht hat".

Aber stellen wir das Mitglied der Neumünsteraner AfD doch kurz vor: Albrecht scheint die organisatorische Stütze der Wahlkampftätigkeit des Kreisverbandes zu sein. Jedenfalls war er für die Anlieferung der Standmaterialien zuständig, als Aktivisten des BgR ihn dort antrafen. Am Stand tritt er zumeist mit deutlich älteren Wahlkampfhelfern der AfD Neumünster auf. Bisher agierte Albrecht jeden Samstag im Mai am AfD-Stand auf dem Großflecken direkt am Klatschpalais. Wir gehen jede Wette ein, dass er auch morgen am Samstag, den 24.05.2014 noch einmal versuchen wird, seine kruden Positionen bei den Neumünsteraner Bürgerinnen und Bürgern anzubringen.

Gegenüber dem FSK Hamburg vertrat Albrecht noch andere Positionen, über die es zu berichten gibt:

Mit rechten Parteien hat Albrecht keine Probleme und er sagt, "rechts" wäre nur ein "Kampfbegriff" und eine "Abweichung von der flauschigen Mitte".

Dem SSW spricht Albrecht im südlichen Schleswig-Holstein ein Existenzrecht ab. Bei dieser Position schließt sich Albrecht der ebenfalls für ihre rechtspopulistisch markanten Sprüche bekannten Jungen Union an und natürlich auch der NPD, was die Verfassungsklage gegen die Befreiung des SSW von der Fünf-Prozent-Klausel angeht und ihren Status als Regierungspartei. Dazu meint Albrecht schlicht, dass der SSW nicht in der Regierung sein dürfte. Klageführer war im Jahr 2013 übrigens Ingo Stawitz von der NPD. Albrecht reiht sich damit ein in das Minderheiten-Bashing, das Junge Union und NPD letztes Jahr betrieben. Der SSW ist seit 1946 ununterbrochen im schleswig-holsteinischen Landtag und setzt sich dort für die drei Minderheiten der Dänen, Friesen und Sinti und Roma ein, die in unserem Bundesland durch die Landesverfassung geschützt sind.