Rechtsrockkonzert am 12. Juli 2014 in der "Titanic"

Am vergangenen Samstag, den 12. Juli 2014, fand ein Rechtsrockkonzert in der Gaststätte „Titanic“ in der Wippendorfstraße statt. Gegen 18 Uhr hatten sich Bündnisaktivisten am Ort eingefunden, um die Lage zu sondieren. Die Wippendorfstraße war zu diesem Zeitpunkt großräumig abgesperrt und die Polizei kontrollierte die heranfahrenden Autos mit Neonazis. Inoffizielle Angaben sprachen von ca. 130 Einsatzkräften, die vor Ort waren. In die Einfahrt der Seniorenwohnanlage „Stadtdomizil“ winkten die sehr engagiert wirkenden Polizisten alle Autos heraus, die besonders gründlich kontrolliert wurden, ebenso gefährliche Personen, die zwecks Überprüfung der Personalien kurzzeitig festgehalten wurden. Alle Personen, die zum Konzert wollten, wurden am Zaun der Pflegeeinrichtung abgetastet. Ein Großteil der PKW der zu dem Zeitpunkt völlig verstopften Wippendorfstraße/Friedrichstraße kam aus dem Nachbarland Mecklenburg-Vorpommern, und so waren u.a. die Kennzeichen Demmin, Güstrow, Bad Doberan, Rostock und Nordwestmecklenburg zu sehen, aus Orten, die teilweise 200 km entfernt sind. Zu Fuß und durch die Ortskenntnis besser vorbereitet als die auswärtigen Nazis, die direkt in die Polizeikontrolle fuhren, gelangten auch Neumünsteraner Nazis aus Faldera zum Rechtsrock.

Die aus den Autos steigenden Personen wirkten extrem bedrohlich auf Außenstehende und vorbeigehende Passanten. Bündnisaktivisten erkannten unzählige Neonazis aus dem Aktionsspektrum der „WWT“ – der bundesweit agierenden Kameradschaft „Weiße Wölfe Terrorcrew“ aus Hamburg, unter anderem ein Gründungsmitglied der WWT aus Buchholz in der Nordheide, der in der Vergangenheit bereits durch vorsätzliche Körperverletzung aufgefallen ist.

Besonders gründlich wurde das Auto von anreisenden Nazis aus Mölln kontrolliert, die Anfang 2013 wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung verurteilt wurden. Aus dem Auto wurden Stapel mit Rechtsrock-CDs und ein offensichtlich rechtsextremes Buch von der Polizei begutachtet. Auch andere Nazis aus dem Umfeld des ehemaligen „NS-Hauses“ in der Langenbrückerstraße in Ratzeburg waren anwesend. Nachdem die Anreise der Neonazis gegen 21:00 Uhr weitestgehend beendet war, zog die Polizei ihre Einsatzkette vor dem Lokal ab und somit wurde es auch Zeit für die Aktivisten, ihre Beobachtungsposition zu verlassen, da jetzt Nazis in Grüppchen aus dem Lokal strömten, um ihre Kontrollrunde zu machen. So trat jemand mit einem „88“-T-Shirt auf den Hinterhof der „Titanic“, sodass hier der Bezug zu der Ankündigung, dass es sich um ein "Club 88 Unterstützerkonzert" handeln solle, hergestellt wäre.

Das Bündnis bezog gegen 22 Uhr wieder eine Beobachtungsposition, dieses Mal am Goebenplatz/Ecke Wippendorfstraße. Vor der „Titanic“ war zu diesem Zeitpunkt ein Pulk von Personen anwesend und aus der Gaststätte war keinesfalls laute, rechtsradikale Musik zu hören. Wie lange das Konzert schließlich ging, erschließt sich dem Bündnis nicht. Die Konzession erlaubt es der Gaststätte, 24 Stunden lang geöffnet zu sein. Aus eigener Beobachtung erfuhren die Bündnisaktivisten, dass zu Spitzenzeiten ca. 80 Personen in der „Titanic“ waren.