Rechtsextreme benutzen Sexualstraftäter zur Stimmungsmache

Presseerklärung

Sehr geehrte Damen und Herren,

Wir, die Mitglieder des Bündnis gegen Rechts (BgR), haben uns am 25. September mit den wiederholten Ankündigungen von Rechtsextremisten, in Neumünster eine Demonstration gegen Sexualstraftäter abzuhalten, befasst und nehmen wie folgt Stellung:

Die Rechtsextremisten um den NPD-Ratsherren Proch missbrauchen die emotionale Verwundbarkeit von Menschen beim Thema Sexualstraftaten (insbesondere an Kindern), um Menschen in ihrem Sinne zu manipulieren. Im Internet kursieren Aufrufe zur Selbstjustiz. Auf der Internetseite der NPD wird der „Nationale Sozialismus“ gefordert. Sie haben bereits so genannte Mahnwachen vor der Wohnung eines Mannes abgehalten, der aktuell wegen eines Sexualdeliktes zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde.

Wenn die rechtsextremistischen Hintergründe unbekannt sind, können diese Feinde der Demokratie durchaus einige Menschen ansprechen. So gelang es Herrn Proch 2012, eine Demonstration mit dem Motto „Todesstrafe für Kinderschänder“ zu organisieren. Nachdem wir vom Bündnis gegen Rechts diese Machenschaften öffentlich gemacht haben, blieb nur noch ein kleiner Haufen Rechtsradikaler unter sich.

Für das kommende Wochenende wird erneut ein „Spaziergang“ vor die Wohnung des Sexualstraftäters vorbereitet. Wozu solche von Neonazis organisierten „Spaziergänge“ und „Mahnwachen“ führen können, haben vor wenigen Jahren die Ereignisse im nordfriesischen Leck gezeigt. Dort wäre es fast zu „Lynchjustiz“ gekommen. Das konnte gerade noch von der Polizei verhindert werden.

In den letzten Wochen haben diese Leute bereits zwei Mal versucht, eine Demonstration zu organisieren und wieder abgesagt, weil sie anscheinend nichts zustande bekommen haben. Gleichzeitig unterwandern sie eine auf den ersten Blick „bürgerliche“ Facebook-Gruppe „Neumünster Gegen Kinderschänder“, die trotz Beteuerung, dass Gewaltandrohungen zu unterbleiben haben, schockierende Bilder davon zeigt, was sie gerne mit diesen Menschen machen würden. Gezeigt wird ein Fleischwolf, beschriftet mit „Entsorgung von Kindermörder“ (sic!), aus dem unten „Sondermüll“ kommt. Eine Lisanne W. fordert: „Ich finde, wir fesseln ihn und jeder darf mal zwischen die Beine treten, danach schnippeln wir sie ab.“

Mit der oben genannten Stimmungsmache hilft man weder den Betroffenen noch werden Straftaten auch nur behindert, darüber sind sich alle Fachleute einig. Hilfe gibt es bei professionellen Beratungsstellen wie z.B. www.hilfeportal-missbrauch.de; www.akjs-sh.de, E-Mail: info@akjs-sh.de.

Neumünster, den 1.10.2014

 


Aktuelle Informationen werden wir an dieser Stelle bekannt geben.