Pressespiegel zur Nazi-Demo am 14.11.2015 in Neumünster


Polizeidirektion Neumünster

POL-NMS: 151114-1-pdnms Demonstrationsaufzug kam schnell zum Stillstand

Neumünster (ots) - 151114-1-pdnms Demonstrationsaufzug kam schnell zum Stillstand

Neumünster / Am 14.11.2015, gegen 13.00 Uhr begann die Auftaktveranstaltung für einen Demonstrationsaufzug von etwa 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmern unter dem Motto: "Asylmissbrauch/Rechtsbruch der Merkelregierung" auf dem Kleinflecken in Neumünster. Fast zeitgleich wurde auf dem Großflecken ein Infostand vom "Runden Tisch" eingerichtet, der einen regen Zulauf von bis zu 300 Besuchern verzeichnen konnte. Der geplante Aufzug über den Mühlenhof, Schützenstraße, Wittorfer und Altonaer Straße bis zum Rathaus wurde noch auf dem Kleinflecken durch eine Gruppe von etwa 200-250 Menschen ebenso wie die daraufhin angebotene Alternativstrecke über den Schleusberg blockiert. Letztendlich wurde die Abschlusskundgebung auf der Fahrbahn der Straße Schleusberg abgehalten und gegen 15.00 Uhr beendete der Verantwortliche die Veranstaltung offiziell. Im Nachgang gerieten allerdings auf dem Kleinflecken und in der Innenstadt Kleinstgruppen aneinander. In diesem Zusammenhang wurde eine junge Frau verletzt. Die Hintergründe hierzu müssen noch genau geklärt werden.

Rainer Wetzel

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Polizeidirektion Neumünster
Pressestelle

Telefon: 04321-945 2222


Quelle: Screenshot von der Seite der "Kieler Nachrichten"

Kundgebung des Runden Tisches für Toleranz und Demokratie Neumünster auf dem Großflecken

Ansprache des Vorsitzenden des Forums der Vielfalt, Ibrahim Ortacer

Sehr geehrte Damen und Herren,
Liebe Freunde, Sehr geehrte Vertreter der Presse,

die Novemberpogrome 1938 – bezogen auf die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 auch „(Reichs-)Kristallnacht“ oder Reichspogromnacht genannt – waren vom nationalsozialistischen Regime organisierte und gelenkte Gewaltmaßnahmen gegen Juden im gesamten Deutschen Reich.

Dabei wurden vom 7. bis 13. November 1938 etwa 400 Menschen ermordet oder in den Suizid getrieben. Über 1.400 Synagogen, Betstuben und sonstige Versammlungsräume sowie tausende Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe wurden zerstört. Ab dem 10. November wurden ungefähr 30.000 Juden in Konzentrationslagern inhaftiert, von denen Hunderte ermordet wurden oder an den Haftfolgen starben.

Die Nazis haben ihre Ausländerfeindlichkeit gegenüber den Juden, gegenüber Italiener, gegenüber Spanier, gegenüber Afrikaner, gegenüber Türken gezeigt.
Nun demonstrieren sie ihre Ausländerfeindlichkeit gegenüber Moslems und Flüchtlingen.
Nazis sind nicht contra gegen diese Gruppe oder jene Art von Menschen speziell. Nazis sind gegen alles und jeden, der nicht einer von ihnen ist. Sie sind dagegen, dass Deutschland, dass Neumünster weltoffen ist. Sie sind gegen kulturelle Vielfalt.

Was damals gegenüber Synagogen verübt wurde, wird nun gegenüber Moscheen und Asylheimen ausgeführt. Im Jahre 2014 fielen 77 Übergriffe auf Flüchtlinge, 35 Brandanschläge auf Unterkünfte, 118 Fälle von Sachbeschädigung an Unterkünfte, 256 Flüchtlingsfeindliche Kundgebungen und Demonstrationen in die Statistik.
Wie viele Übergriffe es gibt, die nicht erfasst wurden, wissen wir noch nicht einmal.
Wir wollen nicht zurückkehren in die grausame und schmerzvolle Zeit vor 77 Jahren.

Jeder könnte irgendwann zu einem Flüchtling werden und in die Lage kommen, seine Stadt, sein Land zu verlassen. Am 15.09.1989 besuchte ein Syrer die deutsche Botschaft in Damaskus und sagte „ich möchte für DDR Flüchtlinge spenden“ und spendete ihnen seinen Monatsgehalt. Dies können Sie in den Archiven des Außenministeriums nachlesen.

Helmut Schmidt sagte am 06.01.2015: Die Proteste der Pegida appellieren an "dumpfe Vorurteile, an Fremdenhass und Intoleranz."
Ich möchte damit auch an Helmut Schmidt gedenken. Möge er in Frieden Ruhen.

Die Welt hat sich seit einer bestimmten Zeit verkleinert. Was heute zum Beispiel in Syrien, Frankreich oder China tausende Kilometer von uns entfernt passiert, beeinflusst auch uns. Wir verurteilen zutiefst die schrecklichen Angriffe gestern in Frankreich. Diese Anschläge waren gleichzeitig auch Anschläge auf unsere Kultur des gemeinsamen Zusammenlebens. Diese kranken Angriffe werden unser gemeinsames Miteinander weder schwächen oder zerstören.

In Neumünster leben aus 106 Nationen stammende Menschen unterschiedlicher Kulturen und unterschiedlichen Glaubens. Wir sehen diese Vielfalt als einen Reichtum.

Denn  niemand wird es je unser Bestreben verhindern können, ein gemeinsames Miteinander und ein friedvolles Zusammenleben verschiedener Kulturen anzustreben.

Und wir sagen: Vielfalt. Das Beste gegen Einfalt.

M.f.g.

Ibrahim Ortacer
Vorsitzender
Forum der Vielfalt Neumünster

Großflecken 59
24534 Neumünster


Erste Blockade auf dem Kleinflecken




Screenshot von der Seite des "Holsteinischen Couriers"