6. Oktober 2012 

Nazi-Kundgebung in Boostedt am Sonnabend um 10.00 Uhr am Kleinen Kaufhaus

Am heutigen Samstag, 6.10., führte die NPD einen Infostand in Boostedt mit insgesamt fünf Neonazis durch. Im Hintergrund der Demo hielt sich ein Herr mit Barett als Kopfbekleidung auf, vermutlich Herr R. aus Hohenwestedt (NPD Westküste). Später kam noch Titanic-Wirt M. vorgefahren, der sich ja laut eigener Aussage angeblich „nicht politisch engagiert“.
Um 10 Uhr waren die Teilnehmer und Teilnehmerinnen des spontanen Gegenprotests noch guten Mutes, dem Treiben gleich einen Riegel vorzuschieben. Aber leider war man dazu nicht in der erforderlichen Personalstärke. Aus Boostedt hatte sich ein kleines „Boostedt ist bunt, nicht braun“-Bündnis mit Transparent auf der Verkehrsinsel postiert. Der überwiegende Teil der Protestierer bestand aus politisch aktiven Menschen. Vor dem Parkplatz zum kleinen Kaufhaus standen einige Gewerkschafter und Sozialdemokraten vom Ortsverein, z.B. auch der erste stellvertretende Fraktionsvorsitzende. Von der CDU war die CDU-Ortsvorsitzende bei den Protestierern dabei. Auch die Freien Wähler waren anwesend. Die Piraten waren zahlenmäßig stark vertreten. Vom Bündnis gegen Rechts waren 4-6 Personen gekommen.

Die Polizei hatte einen Streifenwagen mit zwei jungen Polizisten geschickt, die offensichtlich etwas überfordert waren. Gleich zu Beginn ein Skandal. Ein Protestierer hatte begonnen, mit Kreide „Stoppt Nazis“ auf den Gehweg zu schreiben. Er wurde von der Polizei daran gehindert und von ihm wurden sofort die Personalien aufgenommen. Danach verzogen sich die beiden Polizeibeamten in ihren Wagen, den sie fortan bis zum Ende der Veranstaltung nicht mehr verließen. Die NPD durfte hingegen die Gegendemonstranten mit rechtsradikaler Musik beschallen, offensichtlich auf dem Gehweg hin und her wandern, ihre strunzdumme Eselmasken-Vorstellung geben und uns – trotz der Aufforderung, dies zu unterlassen – fotografieren. Gegen Ende der Demo versuchte es ein älterer Gegendemonstrant noch einmal mit der Kreide. Dieses Mal wurde er nicht daran gehindert. Leider verschrieb er sich bei dem Wort „Nazis“ – für die NPD ein gefundenes Fressen. Mit hämischer Genugtuung freuten sie sich darüber und gossen die Kreide mit Wasser fort. Einer der NPD-Leute (Name bekannt), ein führender Kopf im Kreisverband Segeberg-Neumünster, konnte es offensichtlich nicht lassen und begab sich auf die gegenüberliegende Straßenseite, um die Gegendemonstranten zu provozieren. (Oder um gegen die NPD zu protestieren? Man weiß es nicht.) Dort verstieg er sich zu wüsten Beleidigungen gegenüber den Anwesenden. Endlich aus ihrem Auto gekommen und eingeschritten ist die Polizei dann (nach Aufforderung), als die NPD beim Abbau ihres Stands „Deutschland, Deutschland, über alles“ abspielte. Leider Gottes ist die verpönte erste Strophe des Deutschlandlieds nicht verboten, aber man weiß ja nicht, was sonst noch alles auf dem Sampler der NPD war. Die CD wurde jedenfalls beschlagnahmt. Ende des Infostands um 13 Uhr.