Gottesdienst zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar

Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau von den Alliierten befreit.

Roman Herzog führte 1996 den bundesweiten, gesetzlich verankerten "Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus" ein. Er erinnert an alle Opfer eines beispiellosen totalitären Regimes während der Zeit des Nationalsozialismus: Juden, Christen, Sinti und Roma, Menschen mit Behinderung, Homosexuelle, politisch Andersdenkende sowie Männer und Frauen des Widerstandes, Wissenschaftler, Künstler, Journalisten, Kriegsgefangene und Deserteure, Greise und Kinder an der Front, Zwangsarbeiter und an die Millionen Menschen, die unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft entrechtet, verfolgt, gequält und ermordet wurden. 

Seit 2012 führt die Stadt Neumünster eine Gedenkveranstaltung am Rathaus (Mahnmal "1933") durch. Seitens des Bündnisses gegen Rechts ist der Wunsch geäußert worden, dass dieser Gedenktag zudem (und in Verbindung mit der Gedenkveranstaltung am Rathaus) auch mit einem Ökumenischen Gottesdienst in der Vicelinkirche gestaltet wird. Propst Stefan Block ist gebeten worden, die Predigt für diesen Gottesdienst zu halten.

In einem würdigen Verlauf wird in diesen Gottesdiensten dem Anlass angemessen der Opfer des Faschismus gedacht. Ihrem Vermächtnis „Nie wieder!“ ist bei allen Anlässen bisher eindeutig gerecht geworden. Tief bewegt verließen viele BesucherInnen die Kirche. Und viele konnten einmal über eigene Positionen nachdenken oder aber Trost und Mut für die Zukunft schöpfen, für unser weiteres gemeinsames Wirken.

Alle, die an der Vorbereitung und Durchführung der Gedenkgottesdienste beteiligt sind, geben ihre Beiträge zum Gottesdienst für eine Textsammlung frei, die zu einer Dokumentation des jeweiligen Tages zusammengefasst und bebildert wird und somit an dieser Stelle nachfolgende Generationen erinnern und mahnen soll.

Als besondere Erlebnisse im Jahr 2016 sind hervorzuheben: eine Ausstellung über die Widerstandsgruppe "Rote Kapelle" und ihre Eröffnung durch den konzeptionellen Organisator, Dr. Hans Coppi, sowie von Frau Dr. Geertje Andresen mit ihrem Vortrag "Landesverräter oder Helden des Widerstands – die Rote Kapelle in Zeiten des Kalten Krieges". Am Folgetag führte Dr. Hans Coppi zwei Klassen des Geschichtsprofils aus der Klaus Groth Schule durch die Ausstellung und diskutierte anschließend mit ihnen.

In diesem Jahr widmet sich der Gedenktag neben allen Opfergruppen des Nationalsozialismus ganz speziell auch den Opfern der sog. "Euthanasie". Neben der Gedenkfeier mit Ansprache und Kranzniederlegung durch den OB und dem Ökumenischen Gottesdienst in der Vicelinkirche wird es im Anschluss einen Vortrag von Meinhard Jaster über die Aufarbeitung der "Euthanasie-Verbrechen" in unserer Nachbargemeinde Nortorf geben, und zwar im Gemeindehaus der Vicelinkirche. Dabei soll auch der betreffende NDR-Filmbericht zum Einsatz kommen.

Ablauf der Holocaust-Gedenkveranstaltung am 27.01.17
17:00 Uhr Feierstunde am Rathaus mit Ansprache OB und Kranzniederlegung
17:30 Uhr Ökumenischer Gottesdienst in der Vicelinkirche
18:30 Uhr Vortrag zum Thema "Euthanasie" im Gemeindehaus Vicelinkirche (Haus der Begegnung) von Herrn Jaster (Bürgerforum Nortorf)
19:30 Uhr Ende der Veranstaltung

 

 


Inhalte des Gottesdienstes vom 27.1.2013


ElementeRolle
Glocken
Eingangsteil
Eingangsmusik (Improvisation)Karsten Lüdtke
BegrüßungSimone Bremer
Lied: EG 374, 1.2
Hinführung und Namensnennung von Neumünsteraner Opfern der Nazidiktatur (s. Stolpersteine) m. Entzündung von KerzenIngo Schumann+Christof Ostheimer (Lesung); (Lesung); Ulrike Schumann+Gisela Friese (Kerzen)
Bußpsalm (musikalisch)Karsten Lüdtke und Bachchor Neumünster
Bußteil mit Gnadenzusage, EingangsgebetSimone  Bremer, Ingo Schumann
Lesungen
Alttestamentliche Lesung: Klagelieder Jeremias 1, 1-5Henning Köster
Leçons de ténèbres… (François Couperin)Karsten Lüdtke, Birgit Glatz
Gegenwartstexte aus Konzentrationslagern (Egon MindenElie Wiesel)P. Kosian
Lied: EG 366, 1-5
Ev.-Lesung: Lk. 18, 9-14Pf. Wohs
Lied: EG 428, 1.3.5
Predigt
Predigt (zu Lk. 18, 9-14)Stefan Block
ChormusikKarsten Lüdtke und Bachchor
Credo(P. Kosian)
Kollekten- und Veranstaltungsabkündigungen, KanzelsegenP. Kosian
(Kollekte: Runder Tisch f. Toleranz u. Demokratie + Gedenkstättenarbeit Kaltenkirchen-Springhirsch)Info
Dankopferlied: „Wenn das Brot, das wir teilen…“
Fürbitte und Sendungsteil
Statements/Gebetsanliegen zur gegenwärtigen Situation (in NMS)a)  Silke Lengb) Henning Möbiusc) Pf. Wohs
Fürbitten und Vater Unser
Lied: EG 433 (3x)
Entlassung
SegenPn. Bremer
Schlussmusik (Joh. S. Bach: Fantasie g-moll, BWV 542/I)Karsten Lüdtke

Inhalte des Gottesdienstes vom 27.1.2014


ElementeRolle
Glocken
Eingangsteil
Eingangsmusik (Improvisation)Karsten Lüdtke
BegrüßungSimone Bremer
Lied: EG 83 mit geändertem Text – s. Textblatt
Bußpsalm, EingangsgebetKpl. Görke
Lesungen
Sinti und Roma: Opfer des NS-Regimes bis heute Zielscheibe von AusgrenzungBgR
Lied: EG 282
Predigt
PredigtStefan Block
MusikKarsten Lüdtke
Credo (n. Dietrich Bonhoeffer)Simone Bremer
Kollekten- und Veranstaltungsabkündigungen, KanzelsegenGerson Seiß, C. Ostheimer
(Kollekte: Stolpersteine)Info
Dankopferlied: EG 606
Fürbitte und Sendungsteil
Fürbitten und Vater UnserMöbius (allgem. Opfer von Gewaltherrschaft),  Schumann (Sinti & Roma), Köster (Flüchtlinge), Friese (Euthanasie), Seiß (Juden)
Entlassung
SegenG. Seiß
SchlussmusikKarsten Lüdtke

Inhalte des Gottesdienstes vom 27.1.2015


ElementeRolle
Glocken
Eingangsteil
EingangsmusikKarsten Lüdtke
Begrüßung+EingangsgebetSimone Bremer
Lied: EG 83 "An Wasserflüssen Babylons"
Bußteil mit GnadenzusageSimone Bremer, Kaplan Görke

- Erinnerung an die Opfer des Holocaust (mit Kerzenritual)

-Psalm 130 als Choral EG 299

Erinnerung "Berufsverbrecher" als Opfer des NS-RegimesChristof Ostheimer
Lied: EG 283, 1.2.5
Biblische Lesungen
Alttestamentliche Lesung: Klagelieder Jeremias 3, 1-23Ulrike Schumann
Lied EG 146, 1.2.5
Predigt
PredigtStefan Block
MusikKarsten Lüdtke
Nicänisches Glaubensbekenntnis
Kollektenabkündigungen, KanzelsegenStefan Block
(Kollekte: JVA-Resomaßnahmen + Gedenkstättenarbeit Kaltenkirchen-Springhirsch)Info
Dankopferlied: EG 382, 1-3
Fürbitte
Statement zur gegenwärtigen Situation (in NMS)Opfer von Gewaltherrschaft (N.N.), Juden und Auschwitzopfer (Holstenschule), Flüchtlinge (Bonhoeffer), Gefängnisseelsorge (JVA)
Vater Unser
Entlassung
SegenPn. Bremer
SchlussmusikKarsten Lüdtke

Inhalte des Gottesdienstes vom 27.1.2016


ElementeRolle
Glocken
Eingangsteil
EingangsmusikKarsten Lüdtke
Begrüßung+EingangsgebetSimone Bremer
Lied: EG 144, 1-3: Aus tiefer Not
BußteilPropst Block, K.+C. Ostheimer, Kaplan Görke, Simone Bremer
Erinnerung an die Opfer des Holocaust und der "Roten Kapelle"
Biblische Lesung Daniel 9, 8-11
Henning Möbius
Predigt
PredigtSimone Bremer
OrgelmusikKarsten Lüdtke
Glaubensbekenntnis von Dietrich Bonhoeffer
AbkündigungenStefan Block
Lied: GL 621, 1-3: Ich steh vor dir mit leeren Händen Herr
Fürbitten
Block, Möbius, Görke, Ostheimer, Block
Vater Unser
SegenPn. Bremer
SchlussmusikKarsten Lüdtke

Inhalte des Gottesdienstes vom 27.1.2017


ElementeRolle
Glocken
EingangsmusikKarsten Lüdtke
BegrüßungPn. Wegener, Henning Möbius
EingangsgebetPn. Wegener
Lied: EG 382
Karsten Lüdtke
Bußteil/Psalm 130 (mit Kerzenritual)

Einführung Pn Wegener

Leimbach, Wegener, Block, Schumann, Jaster, Ostheimer, Wegener

Kyrie
Biblische Lesung Hesekiel 18, 1-4.21-23
Kaplan Kant
Predigt
PredigtPr. Block
Kurze MusikKarsten Lüdtke
Glaubensbekenntnis von Dietrich BonhoefferPn. Wegener
KollektenabkündigungHerr Jaster, Pn. Wegener
Lied: https://www.youtube.com/watch?v=GXmsgQs84j4EG387,1,3
Karsten Lüdtke
Fürbitten
Leimbach, Schumann, Möbius
Vater UnserHenning Möbius
Entlassung, SegenPn. Wegener
SchlussmusikKarsten Lüdtke

Ansprache zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus (2017)

Dr. Olaf Tauras
Oberbürgermeister

27. Januar 2017, um 17.00 Uhr
Foyer


Sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter
der Politik,
von Vereinen und Verbänden,
der Kirche
und dem Runden Tisch für Toleranz und Demokratie,
liebe Neumünsteranerinnen und Neumünsteraner,
meine sehr geehrten Damen und Herren.

Ich begrüße sie im Namen der Stadt Neumünster hier im Foyer des Neuen Rathauses und danke ihnen für die Teilnahme an dieser Gedenkveranstaltung.
Gleichzeitig darf ich Ihnen im Namen der ebenfalls anwesenden Stadtpräsidentin, Anna-Katharina Schättiger, herzliche Grüße übermitteln.

Wir haben uns aufgrund der Witterungslage entschlossen, diese Gedenkfeier ab diesem Jahr nicht voll umfänglich vor unserem Mahnmal „Gegen Diktatur und Gewaltherrschaft in Deutschland" abzuhalten, sondern nur im Anschluss zur Kranzniederlegung davor zu treten. Ich hoffe sehr, dass das in Ihrem Sinne ist.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, heute vor 72 Jahren wurde das Konzentrationslager Auschwitz durch Soldaten der Roten Armee befreit.
Heute ist der 27. Januar, also das Datum, an dem der Opfer gedacht werden soll, die unter der totalitären Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten entrechtet, verfolgt, gefoltert und ermordet wurden.

Der 27. Januar. Der Tag, der vor 21 Jahren als Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus proklamiert wurde. Am 27. Januar 1996 war der Zeitpunkt als Roman Herzog in der ersten Gedenkstunde im Deutschen Bundestag sagte: „Zunächst darf das Erinnern nicht aufhören; denn ohne Erinnerung gibt es weder Überwindung des Bösen noch Lehren für die Zukunft."
Auch so viele Jahre später haben diese Worte noch immer Gültigkeit und mit Blick auf die aktuelle Situation in manchen Ländern der Welt gewinnen sie noch mehr an Bedeutung.

Wir brauchen diese Lehren für die Zukunft umso mehr in einer Zeit, in der ein amerikanischer Präsident ernsthaft wieder Mauern baut, Foltermethoden als sinnvolles Mittel bezeichnet und seine Mitarbeiter über „alternative Fakten" schwadronieren. Aus meiner Sicht müssen wir um die westlichen Werte von Demokratie, Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit heute umso mehr kämpfen.

Der Zweite Weltkrieg war die vielleicht schlimmste Phase in der Weltgeschichte, als die sogenannten „Herrenmenschen" nicht davor zurückschreckten angeblich „unwertes" Leben zu vernichten, Menschen zu sterilisieren und den politischen Gegner auszuschalten. Sie alle wurden Opfer des nationalsozialistischen Säuberungswahns: Sinti und Roma, die slawischen Völker, Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, Homosexuelle, Menschen mit Behinderungen, Kommunisten, Sozialdemokraten, Gewerkschafter, widerständige Christen und alle anderen, die sich dem staatlichen Terror widersetzten. Unser Entsetzen über diese Zeit ist auch deshalb so groß, weil nie zuvor ein Staat ganze Menschengruppen so systematisch stigmatisiert, separiert und vernichtet hat. Der Staat hat in eigens dafür geschaffenen Todeslagern und präzise durchorganisiert unerbittlich unermesslich viele Menschen getötet. Dies ist zum Beispiel in Auschwitz geschehen, das zum Symbol des Holocausts wurde.

Gedenktage wie der heutige führen uns zusammen in der Reflexion über die gemeinsame Geschichte. Deshalb sollte man sich gerade in solchen Momenten der Ereignisse bewusst werden und darüber nachdenken, wie man damit bislang umgegangen ist.

Auch ein Vortrag wie der von Professor Danker im November des letzten Jahres zum Thema „Nazis in Parlament und Regierung nach 1945" hilft dabei, geschichtliche Zusammenhänge besser zu verstehen. Deshalb darf ich mich an dieser Stelle beim Runden Tisch für Toleranz und Demokratie und beim Bündnis gegen Rechts für die Ausrichtung dieser Veranstaltung bedanken.

Eine der wichtigsten Lehren aus dem Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit lautet heute, mehr als 70 Jahre nach Ende des zweiten Weltkriegs, zweifellos, dass Verschweigen offenkundiges Verbrechen und offenkundige Schuld nicht tilgt.

Aber gleich nach dem Krieg stand der Wiederaufbau im Vordergrund. NS-Verbrechen verfolgte die Justiz nur schleppend und in Einzelfällen und die Bevölkerung der jungen Bundesrepublik kannte wenig Mitgefühl mit den Opfern der nationalsozialistischen Gewalt. Das Schweigen wurde erst allmählich durchbrochen, als Ende der 50er Jahre größere Prozesse gegen die nationalsozialistischen Täter begannen, die das Ausmaß der Verbrechen sichtbar machten und ein Vernichtungssystem zu Tage kam, das viele nicht für vorstellbar gehalten hatten. Doch auch wenn das Entsetzen in der Öffentlichkeit groß war, eine wirkliche umfassende Betroffenheit stellte sich immer noch nicht ein.

Anders stellte es sich hingegen in den 60er und 70er Jahren dar, als man nach Mitschuld fragte und - vorangetrieben und unterstützt durch eine wachsende Zahl kritischer Intellektueller, Wissenschaftler, Künstler und Studenten - die Auseinandersetzungen mit den Verbrechen größere gesellschaftliche Bedeutung bekam.

Seit jener Zeit ist das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus zu einem festen Bestandteil unseres Selbstverständnisses geworden. Jede Generation hat sich des Themas anders angenommen, aber stets wurde die Erinnerung wach gehalten und so stehen wir auch heute hier und erinnern uns.
Und obwohl wir jedes Jahr mit dieser Gedenkfeier und auch mit dem Volkstrauertag feste Zeitpunkte haben, die uns der Erinnerung mahnen, so wissen wir auch, dass Gedenktage zu einem bloßen Ritual werden können, die mit stets gleichen Beschwörungsformeln daherkommen. Wir wissen, dass Gedenktage allein uns nicht vor Gleichgültigkeit bewahren!

Deshalb bin ich sehr froh, dass wir hier in Neumünster eine sehr aktive Bewegung von unterschiedlichsten Gruppen haben, die sich aktiv und ganzjährig mit der Geschichte der Nazis auseinandersetzen und sich insbesondere sehr stark gegen jegliche Form von Rechtsextremismus stellen. Wir haben aus der Geschichte gelernt und möchten jede Art von Rassismus im Keim ersticken.

Gerade jetzt, da wir in unserer Gesellschaft Menschen mit Migrationshintergrund aus den unterschiedlichsten Ländern der Welt aufnehmen, Menschen die ähnliches erleiden oder miterleben mussten, wie viele Verfolgte im Zweiten Weltkrieg, ist es umso wichtiger, dass wir weltoffen und tolerant sind. Neumünster, ich kann es nur immer wieder betonen, ist schon lange nicht mehr die Stadt mit dem Club 88, sondern eine bunte und vorurteilsfreie Gemeinschaft.
Doch auch wenn wir in den letzten Jahren viel geschafft haben, so machen uns der aufkeimende Populismus und anscheinend gesellschaftsfähige rechtsgerichtete Aussagen Angst. Deshalb dürfen wir in unserer Anstrengung nicht nachlassen, Fremdenfeindlichkeit anzuprangern und darauf hinzuweisen, zu was extreme Formen davon führen können. So auch heute.

Zum sechsten Mal ist es nunmehr so und damit gute Tradition, dass wir an unserem Mahnmal zusammentreten, Kränze niederlegen, einen Moment innehalten, uns austauschen und der Geschichte, aber auch aktueller Geschehnisse bewusst werden.

Und in diese Reflexion fließen auch Gedanken über aktuelle Terroranschläge ein, von denen auch Deutschland mit dem grausamen Attentat von Berlin betroffen ist.
Was geht in Menschen vor, die unschuldige Menschen ermorden?

Was bewegt sie zu Taten wie in Paris, Brüssel, Nizza, Istanbul oder eben Berlin? Wie tief ist der Hass auf Andersdenkende bei diesen Menschen?
Das sind Fragen, auf die man nur schwer eine Antwort finden wird. Was aber von solchen Anschlägen bleibt, ist die Angst. Und genau diese wird von Populisten genutzt, um mit einfachen Parolen Stimmung anzuheizen. Dem müssen wir uns entgegenstellen, den Menschen Alternativen aufzeigen und ihnen Sicherheit vermitteln. Und auch wenn es diese nie zu 100 Prozent geben kann, so wissen wir doch, dass wir in einem geeinten Europa und in Deutschland insgesamt sicher leben können. Gleichzeitig sind wir in der Lage, denen Zuflucht zu gewähren, die vor Krieg und Verfolgung aus ihren Heimatländern fliehen.

Aber wir müssen auch beantworten, wie deren Integration gelingen kann, damit es nicht zu Verwerfungen in der Gesellschaft kommt und wir müssen auch klare Grenzen setzen, wenn jemand sein Recht auf Asyl verwirkt hat und diese Regelungen ebenso konsequent umsetzen.
Nur so wird es uns möglich sein, die einheimische Bevölkerung auf den schwierigen Kurs bei der Aufnahme von Geflüchteten mitzunehmen. In diesem Spannungsfeld stehen wir und müssen uns denjenigen entgegenstellen, die die momentane Situation für ihre politischen Ideologien nutzen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, Frieden ist ein Teil dessen, was uns antreibt. Und genau dafür setzen wir uns ein und helfen dort, wo Krieg herrscht oder denen, die aus solchen Ländern zu uns kommen. Hilfe wird auch in Neumünster groß geschrieben und deshalb möchte ich mich bei allen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern bedanken, die sich in den letzten Monaten für Geflüchtete eingesetzt haben und dies auch weiter tun werden.
Mein besonderer Dank geht dabei an den Kirchenkreis Altholstein, der unter Ihrer Leitung, sehr geehrter Herr Propst Block, zu einem Vernetzungstreffen eingeladen hat und Menschen für die Arbeit mit und für Geflüchtete gewinnen möchte.

Danken möchte ich der Kirche und der Vicelinkirchengemeinde auch dafür, dass wir im Anschluss an diese Gedenkfeier gemeinsam einen ökumenischen Gottesdienst begehen und danach im Haus der Begegnung einen Vortrag von Meinhard Jaster hören können. Er wird dabei insbesondere auf ganz konkrete Verirrungen der damaligen Gesellschaft bis hin zur Euthanasie eingehen und neben den exemplarischen Schicksalen von drei Nortorfer NS-Opfern die Bedeutung des dortigen Mahnmals darstellen.

Wir haben in Neumünster unser Mahnmal, vor das wir gleich treten werden, zudem viele Stolpersteine und den Friedenshain, die uns stets an die Geschichte erinnern.
Sich des Vergangenen bewusst zu werden, um daraus Lehren für das Hier und Jetzt zu ziehen, darum geht es. Bundespräsident Joachim Gauck formulierte es so: „Und doch können wir nach den dunklen Nächten der Diktatur, nach aller Schuld und später Scham und Reue ein taghelles Credo formulieren. Wir taten es, als wir dem Recht seine Gültigkeit und seine Würde zurückgaben. Wir taten es, als wir Empathie mit den Opfern entwickelten. Und wir tun es heute, wenn wir uns jeder Art von Ausgrenzung und Gewalt entgegenstellen und jenen, die vor Verfolgung, Krieg und Terror zu uns flüchten, eine sichere Heimstatt bieten. Die moralische Pflicht, die auf uns liegt, erfüllt sich nicht nur im Erinnern. In uns existiert auch eine tiefe und unauslöschliche Gewissheit: Aus diesem Erinnern ergibt sich ein Auftrag. Er sagt uns: Schützt und bewahrt die Mitmenschlichkeit. Schützt und bewahrt die Rechte eines jeden Menschen."

Meine sehr geehrten Damen und Herren, dem ist nichts hinzuzufügen. Lassen Sie uns weiter ein Zeichen setzen wider dem Vergessen, in Erinnerung der vielen Opfer, als Mahnung für nachfolgende Generationen und zur Stärkung unserer Humanität.

Wir gedenken heute in tiefer Trauer den Opfern des Nationalsozialismus und legen in diesem Gedenken Kränze vor unserem Mahnmal am Rathaus nieder. Die Inschrift „Gegen Diktatur und Gewaltherrschaft in Deutschland" ziert die Gedenktafel und mahnt uns unserer Geschichte.

Ich darf Sie nun um eine Schweigeminute für die Opfer des Nationalsozialismus und für die Opfer von Rechtsextremismus bitten und im Anschluss erfolgt dann vor dem Rathaus die Kranzniederlegung.


Ansprache zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus (2016)

Dr. Olaf Tauras
Oberbürgermeister

27. Januar 2016, um 17.30 Uhr
Rathausinnenhof

Sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter
der Politik,
von Vereinen und Verbänden,
der Kirche
und dem Runden Tisch für Toleranz und
Demokratie,
liebe Neumünsteranerinnen und
Neumünsteraner,
meine sehr geehrten Damen und Herren.

Ich begrüße sie im Namen der Stadt
Neumünster hier im Rathausinnenhof an
unserem Mahnmal „Gegen Diktatur und
Gewaltherrschaft in Deutschland“ und danke
ihnen für die Teilnahme an dieser
Gedenkveranstaltung.
Gleichzeitig darf ich Ihnen im Namen der
ebenfalls anwesenden Stadtpräsidentin,
Anna-Katharina Schättiger, herzliche Grüße übermitteln.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, in meiner Rede anlässlich des Holocaust-Gedenktages im Jahr 2014 habe ich gesagt, ich zitiere: „Zur Zeit wird hier in Neumünster im Rahmen des Runden Tisches für Toleranz und Demokratie darüber nachgedacht, wie eine Unterstützung von syrischen Flüchtlingen in unserer Stadt aussehen könnte. Ich würde mich freuen, wenn daraus ein Projekt entstehen würde, dass wieder einmal Neumünsters Selbstverständnis als weltoffene, tolerante -eben „bunte“-Stadt unter Beweis stellt.“

Wer hätte damals gedacht, dass zwei Jahre später, viele hunderttausende Menschen um Sorge um Leib und Leben hier in Deutschland Zuflucht gefunden haben und wir vor einer der größten gesellschaftlichen Herausforderungen stehen: Der Integration von Geflüchteten. Sie wissen, dass wir den Holocaust-Gedenktag auch immer dafür nutzen, um auf aktuelle Themen hinzuweisen, die man vor dem Hintergrund der Geschichte Deutschlands und der Gründe für unsere heutige Gedenkfeier entsprechend beurteilen kann. Das Thema Aufnahme und Integration von Flüchtlingen steht dabei sicherlich ganz oben auf der Agenda. Vergessen wir bitte nicht bei all den Diskussionen um „Schaffen wir das?“, dass Deutschland nach dem Ende des zweiten Weltkriegs schon einmal vor der Mammutaufgabe stand, Millionen Flüchtlinge in die Gesellschaft zu integrieren. Ja, ich weiß, es waren andere Voraussetzungen und weniger sprachliche Barrieren, aber aus den mir bekannten Erzählungen, die gerade jetzt vor dem Hintergrund der aktuellen Situation mehr werden, war es in den 40er-und 50er-Jahren ebenfalls nicht einfach und es gab viele Ressentiments gegen die Neuankömmlinge.

Wir stellen uns derzeit darauf ein, ab Oktober dieses Jahres Flüchtlinge dauerhaft in Neumünster aufzunehmen. Derzeit gehen wir davon aus, dass es pro Quartal 350 Menschen sein werden, denen wir in unserer Stadt ein neues Zuhause geben müssen und wollen. Da wir bislang von der Aufnahme befreit waren, stellt uns diese Aufgabe vor neue Herausforderungen. Aber ich bin mir sicher, dass wir diese mit den richtigen und zeitnahen Entscheidungen meistern werden. Dafür müssen wir alle an einem Strang ziehen: Politik, Gesellschaft und Verwaltung. Neumünster ist ein Ort, der in den letzten Jahren bewiesen hat, dass Menschen mit Migrationshintergrund hier willkommen sind. Gerade das ehrenamtliche Engagement muss man an dieser Stelle über alle Maßen hervorheben. Mir sind noch gut die Bilder in Erinnerung, als wir im letzten Jahr ganz kurzfristig hunderte Flüchtlinge in der Turnhalle der Gemeinschaftsschule Brachenfeld aufgenommen haben oder als viele Helferinnen und Helfer die geflüchteten Menschen am Bahnhof in Neumünster mit kleinen Aufmerksamkeiten begrüßten. Wir sind in Neumünster aufgrund unseres hohen Vernetzungsgrades und eines gemeinsamen Bewusstseins, wo Hilfe benötigt wird oder wir gemeinsam für eine Sache einstehen müssen, immer wieder in der Lage, schnell eine Einheit zu bilden und damit Kraft zu entwickeln. Dies ist eine gute Grundlage für die kommenden Monate, in denen wir die Basis für die Aufnahme von Geflüchteten schaffen müssen. Wohnraum, Willkommenszentrum, Sicherstellung des Lebensunterhalts sind nur einige Grundsteine für eine gelingende Integration. Insbesondere müssen wir uns um das Lernen der deutschen Sprache, die gesellschaftliche Teilhabe und die Integration im Arbeits-und Ausbildungsmarkt kümmern.
Und wir haben noch eine ganz besondere Aufgabe. Es muss uns gelingen, den Flüchtlingen, das Wertegefüge unseres Staates und unseres Miteinanders zu vermitteln. Warum? Weil die Geschehnisse von Köln in der Silvesternacht die Befürchtungen der Menschen gegenüber den Flüchtlingen dramatisch gesteigert haben und wir dem begegnen müssen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, dies ist ein schwieriges Thema, denn wir alle wissen, dass es in einer großen Menge an Menschen immer schwarze Schafe geben wird. Das ist bei Deutschen der Fall, aber eben auch bei Asylbewerbern. Wir müssen darauf achten, dass die Berichte von Vorfällen, an denen vermutlich Flüchtlinge beteiligt sind, nicht zu einem Rechtsruck in unserer Gesellschaft führen. Aber wir müssen eben auch dafür Sorge tragen, dass unsere Regeln und Gesetze für alle gelten. Das bedeutet, dass Asylbewerber, die hier eine Straftat begangen haben, angemessen bestraft werden und gegebenenfalls auch ihr Bleiberecht in Deutschland verwirkt haben. In diesem Spannungsfeld stehen wir und müssen uns denjenigen entgegenstellen, die die momentane Situation für ihre politischen Ideologien nutzen. Hier in Neumünster haben wir in den letzten Jahren ein breites Bündnis gegen Extremismus geschaffen. Besonders deutlich wurde dies 2012, als wir uns in diversen Kundgebungen der NPD im wahrsten Sinne des Wortes entgegengestellt haben. Und auch jetzt noch funktioniert dieser partei-, konfessions-und verbandsübergreifende Zusammenschluss hervorragend.
Dies haben die letzten Demonstrationen auf dem Kleinflecken und auf dem Kantplatz bewiesen. Wir werden den Rechtsextremisten hier in Neumünster keinen Platz für ihre Hasstiraden geben! Neumünster ist und bleibt bunt, nicht braun!

Wir haben aus der Geschichte gelernt und möchten jede Form von Rassismus im Keim ersticken. Und heute wollen wir der Geschichte gedenken, um uns auf das Hier und Jetzt zu besinnen. Seit 2012 ist es nunmehr gute Tradition geworden, dass wir uns hier vor diesem Mahnmal versammeln, einen Moment innehalten, uns austauschen und der Geschichte, aber auch aktueller Geschehnisse bewusst werden.

Es war vor 20 Jahren als der 27. Januar als Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus proklamiert wurde. Der 27. Januar. Das Datum an dem 1945 Soldaten der Roten Armee die Überlebenden des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau befreiten.

Der 27. Januar ist der Tag, an dem der Opfer gedacht werden soll, die unter der totalitären Gewaltherrschaft der Nationalsozilisten entrechtet, verfolgt, gefoltert und ermordet wurden.

Auschwitz ist dabei ein Synonym für die abscheulichen Dinge, die Menschen aneinander antun können.
Der Schriftsteller Siegfried Lenz sagte anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 1988: „So seltsam es klingen mag: Auschwitz bleibt uns anvertraut. Es gehört uns, so, wie uns die übrige eigene Geschichte gehört. Mit ihr in Frieden zu leben, ist eine Illusion; denn die Herausforderungen und die Heimsuchungen nehmen kein Ende. Schließlich haben wir es nicht mit der spirituellen Hinterlassenschaft von Hegels Weltgeist zu tun, sondern mit überlieferten unsagbaren Leiden. So ist zu fragen, ob es einen Frieden geben kann, in dem auch die Unversöhntheit einen Platz findet. Ich glaube: ja. Der Friede, der uns entspricht, schließt Verstörungen durch das Gedächtnis nicht aus. Jedoch: Unversöhnt mit der Vergangenheit sind wir umso leidenschaftlicher für den Frieden. Unversöhnt, geben wir der Vergangenheit, was wir ihr schulden, und der Gegenwart, was sie annehmbar macht.“

Meine sehr geehrten Damen und Herren, Frieden ist ein Teil dessen was uns antreibt. Und genau dafür setzen wir uns ein und helfen dort, wo Krieg herrscht oder denen, die aus solchen Ländern zu uns kommen. 71 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges ist es noch immer unvorstellbar, zu was für Greueltaten Menschen fähig waren und mit Blick auf die aktuelle Weltgeschichte auch noch sind.

Millionen Menschen: Juden, Christen, Sinti und Roma, Behinderte, Homosexuelle, Widerstandskämpferinnen und -kämpfer, Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter und Andersdenkende mussten unter der NS-Herrschaft leiden, wurden misshandelt und getötet. Dieser schreckliche Teil unserer deutschen Geschichte muss und stets vor Augen bleiben und Mahnung sein: Es darf in dieser Welt weder Menschenverfolgung noch Massenvernichtung oder Krieg geben! Der Bundespräsident Joachim Gauck sagte aus Anlass des Holocaust-Gedenktages 2015: „Gedenktage führen eine Gesellschaft zusammen in der Reflexion über die gemeinsame Geschichte. Denn ob wir es nun wollen oder nicht: Einschneidende Ereignisse hinterlassen ihre Spuren – bei den Akteuren und Zeitzeugen, aber auch bei den nachfolgenden Generationen.
Eine der wichtigsten Lehren aus dem Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit lautet zweifellos, dass Verschweigen offenkundiges Verbrechen und offenkundige Schuld nicht tilgt.“

Meine sehr geehrten Damen und Herren, dies ist ein Grund, warum wir heute hier am 27. Januar zusammengekommen sind: Wir wollen nicht schweigen. Wir wollen erinnern und unsere Stimme erheben, gegen diejenigen, die noch immer mit ihren rassistischen Anfeindungen und der Verbreitung von rechten Ideologien Politik machen. Wir wollen ein Zeichen setzen wider dem Vergessen, in Erinnerung der vielen Opfer und als Mahnung für nachfolgende Generationen.
Dies tun wir heute, aber wir haben es zum Beispiel auch im letzten Jahr getan, als wir wieder einige Stolpersteine hier in Neumünster verlegt haben. Viele Stolpersteine in unserer Stadt erzählen von den Schicksalen und persönlichen Dramen, die sich in der Zeit der Nationalsozialisten auch hier in Neumünster abspielten. Schicksale, die auch heute noch betroffen machen und die zeigen, dass sich Verfolgung und systematische Vernichtung im gesamten Land und in allen Städten abspielten. In Neumünster wird man die Zeit des Holocausts und des Krieges nicht vergessen. Wir müssen uns diesem Teil unserer deutschen Geschichte immer wieder bewusst werden.
An dieser Stellen möchte ich noch einmal aus der Rede Joachim Gauck`s zitieren: „Die moralische Pflicht, die auf uns liegt, erfüllt sich nicht nur im Erinnern. In uns existiert auch eine tiefe und unauslöschliche Gewissheit: Aus diesem Erinnern ergibt sich ein Auftrag. Er sagt uns: Schützt und bewahrt die Mitmenschlichkeit. Schützt und bewahrt die Rechte eines jeden Menschen. Und das sagen wir gerade in Zeiten, in denen wir uns in Deutschland erneut auf das Miteinander unterschiedlicher Kulturen und Religionen zu verständigen haben. Die Gemeinschaft, in der wir alle leben wollen, wird nur dort gedeihen, wo die Würde des Einzelnen geachtet wird und wo Solidarität gelebt wird.“

Meine sehr geehrten Damen und Herren, diesen Auftrag nehmen wir an. Wir erinnern sowohl an unsere Geschichte als auch an das, was die Nationalsozialisten anderen angetan haben. Und wir wollen in Neumünster für ein gutes Miteinander sorgen, dass von Verständnis und Menschlichkeit geprägt ist.

Schicksale, wie die der Menschen in Syrien oder anderen Ländern, in denen Hass, Tyrannei, Verfolgung, Vertreibung und Krieg herrschen, bewegen uns. Wir sind nicht nur aufgrund unserer Geschichte dazu aufgerufen, den Menschen, die unter solchen Bedingungen ihr Land verlassen mussten, zu helfen, sondern auch weil es die Nächstenliebe gebietet.

Die letzten Monate haben mir gezeigt, mit wieviel Herz man sich hier in Neumünster für andere Menschen einsetzt. Dutzende ehrenamtliche Kräfte kümmern sich aufopferungsvoll um die Flüchtlinge und ich möchte die Gelegenheit auch nutzen, mich an dieser Stelle für dieses Engagement bei allen Helferinnen und Helfern zu bedanken. Mit dieser humanitären Hilfe leisten wir nicht nur einen wertvollen Beitrag für andere, sondern wir entziehen rechtsextremistischen Tendenzen in unserem Land den Nährboden für eine Verbreitung ihres Gedankenguts.

Aber wir tun damit noch mehr. Wir vermitteln unseren Kindern damit Werte und geben Ihnen eine Orientierung anhand unserer Geschichte.
Wir zeigen ihnen, wie man miteinander und insbesondere mit fremden Kulturen und Menschen anderer Nationalität umgeht. Nämlich mit Respekt, unvoreingenommen und weltoffen. Denn Kinder und Jugendliche, die sich der Hintergründe der Geschichte und den Auswirkungen von Fremdenhass bewusst sind, werden keine Anhänger der braunen Szene. Dies ist auch ein Ziel der gleich eröffnenden Ausstellung „Rote Kapelle“ und des Vortrags „Landesverräter oder Helden des Widerstands – die Rote Kapelle in Zeiten des Kalten Krieges“ um 19.00 Uhr.

Ich darf an dieser Stelle dem Runden Tisch für Toleranz und Demokratie ganz herzlich danken, dass er diese Ausstellung hier im Rathaus-Foyer zeigt. Insbesondere möchte ich Herrn Dr. Ostheimer danken, der sich immer aufopferungsvoll um die Dinge kümmert und über die Maße engagiert ist im Kampf gegen Rechtsextremismus. Ich möchte jetzt nicht vorgreifen, was die „Rote Kapelle“ war. Nur so viel, es war ein Zusammenschluss von Widerstandskämpfern aus den unterschiedlichsten Personengruppen unter anderem Studenten, Professoren, Künstler und Soldaten-die in ihrer Ablehnung des nationalsozialistischen Regimes zusammenstanden. Nun ginge es sicherlich zu weit, wenn man unsere Aktivitäten mit denen der „Roten Kapelle“ vergleichen würde, denn wir müssen nicht mit den Repressalien rechnen, die damals drohten. Aber dennoch mache ich eine Gemeinsamkeit fest: Der Zusammenschluss für die Sache, für die wir einstehen. Über politische und weltanschauliche Unterschiede hinweg hat sich hier in Neumünster ein breites demokratisches Bündnis gegen Extremismus und für Toleranz und Demokratie gebildet und wir können stolz sein auf das, was wir in den letzten Jahren erreicht haben. Wir haben den vom Bundespräsidenten formulierten Auftrag schon lange angenommen und wir bewahren die von ihm zitierte Mitmenschlichkeit und die Rechte eines jeden Menschen.

Wir gedenken heute den Opfern des Nationalsozialismus und legen in diesem Gedenken Kränze vor unserem Mahnmal hier am Rathaus nieder. Die Inschrift „Gegen Diktatur und Gewaltherrschaft in Deutschland“ ziert die Gedenktafel und mahnt uns unserer Geschichte.

Wir wollen mit der heutigen Gedenkfeier ein Zeichen setzen gegen das Vergessen, in Erinnerung der vielen Opfer und als Mahnung für nachfolgende Generationen.

Ich darf Sie nun um eine Schweigeminute für die Opfer des Nationalsozialismus und für die Opfer von Rechtsextremismus bitten und möchte im Anschluss diejenigen nach vorne bitten, die einen Kranz am Mahnmal niederlegen möchten.


Ansprache zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus (2015)

Dr. Olaf Tauras
Oberbürgermeister

27. Januar 2015, um 17.30 Uhr
Rathausinnenhof

Sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter der Politik, von Vereinen und Verbänden, der Kirche und dem Runden Tisch für Toleranz und Demokratie, liebe Neumünsteranerinnen und Neumünsteraner, meine sehr geehrten Damen und Herren.

Ich darf Sie auch in diesem Jahr wieder hier im Rathausinnenhof im Namen der Stadt Neumünster an unserem Mahnmal „Gegen Diktatur und Gewaltherrschaft in Deutschland“ anlässlich dieser Gedenkveranstaltung begrüßen und Sie gleichzeitig auch im Namen des ebenfalls anwesenden Stadtpräsidenten, Herrn Friedrich-Wilhelm Strohdiek, sowie der Ratsversammlung herzlich willkommen heißen und Ihnen für Ihre Teilnahme danken.

Seit 2012 schenken wir dem Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus hier in Neumünster am 27. Januar eines jeden Jahres Zeit und begehen den Holocaust-Gedenktag. An diesem Tag kommen wir zusammen und denken zurück an das, was in den Jahren der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft passiert ist, um daraus Lehren zu ziehen, aber wir nehmen den Tag auch zum Anlass, um über aktuelle Entwicklungen nachzudenken und sie kritisch zu hinterfragen.

Ich freue mich sehr, dass der Holocaust-Gedenktag in den letzten Jahren zu einer festen Institution in Neumünster geworden ist und wir ihn als Stadt gemeinsam mit der Kirche und dem Runden Tisch für Toleranz und Demokratie ausrichten und gestalten können. Und so kommt es nicht von ungefähr, dass im Anschluss an diese Gedenkfeier ein Gottesdienst in der Vicelinkirche stattfindet und danach um 19.30 Uhr eine Lesung in der Stadtbücherei mit Frank Nonnenmacher, der aus seinem Buch „DU hattest es besser als ICH“ vorträgt.

Ich bitte die anwesenden Gäste um Verständnis, dass einige Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung aufgrund des ab 18.30 Uhr tagenden Hauptausschusses nicht an den nachfolgenden Terminen teilnehmen können. Gerne wären wir dabei gewesen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, es war genau heute vor 70 Jahren, als am 27. Januar 1945 Soldaten der Roten Armee die Überlebenden des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau befreiten. Im Vergleich zu den vielen Millionen Menschen, die Ihr Leben im 2. Weltkrieg durch Kriegshandlungen und durch die grauenhafte und menschenverachtende Verfolgung der Nationalsozialisten verloren, waren es nur wenige Menschen, die gerettet wurden. Aber es ist ein Zeichen der Hoffnung und gleichzeitig das Signal für ein das Ende einer viel zu lange währenden Schreckensherrschaft die sich am 27. Januar festmachen ließ. Und insofern war es die logische Konsequenz, dass dieses geschichtsträchtige Datum im Jahre 1996 als Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus proklamiert wurde.

Der 27. Januar ist der Tag, an dem der Opfer gedacht werden soll, die unter der totalitären Gewaltherrschaft der Nationalsozilisten entrechtet, verfolgt, gefoltert und ermordet wurden. Und da dies nicht nur ein Deutscher Gedenktag ist, sondern weltweit an diesem Tag ein Moment innegehalten werden soll, war es ein guter Schritt, das die Generalversammlung der Vereinten Nationen den 27. Januar im Jahre 2005 offiziell zum internationalen Holocaust-Gedenktag erklärt haben. So wird heute nicht nur hier in Neumünster ein Zeichen gegen das Vergessen gesetzt, sondern in vielen weiteren Städten im Land, in der gesamten Bundesrepublik Deutschland und weltweit.

Wir sind heute zusammengekommen, um den Millionen Menschen zu gedenken, die unter der NS-Herrschaft leiden mussten, misshandelt und getötet wurden: Juden, Christen, Sinti und Roma, Behinderte, Homosexuelle, Widerstandskämpferinnen und -kämpfer, Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter und Andersdenkende. Viele von Ihnen haben in den Zeiten des Regimes der Nationalsozialisten ihr Leben verloren. Zu viele. Viel zu viele.

Mit dem Volkstrauertag haben wir in Deutschland einen weiteren Gedenktag, an dem wir an die Schrecken des Krieges erinnern. Und wenn ich an den letzten Volkstrauertag zurückdenke, an dem wir erstmals Schülerinnen und Schüler in die Gestaltung der Gedenkfeier einbezogen haben und wie emotional sie dieses Thema bewegt haben, dann weiß ich, warum es so wichtig ist, sich dieser Zeit zu erinnern: Denn sie darf nicht zurückkehren. Nicht heute. Nicht morgen. Niemals!

Und obwohl die meisten Menschen die Geschichte kennen und auch wissen, was für Greueltaten damals geschahen, haben einige anscheinend noch immer nicht die richtigen Schlüsse aus der Historie gezogen und machen ähnliche Fehler auch heute noch. Tagtäglich sehen wir die Bilder aus vielen Regionen in der Welt, in denen Menschen aufgrund irgendeiner Andersartigkeit verfolgt und getötet werden. Und insofern hilft uns der heutige Holcaust-Gedenktag auch dabei, über das aktuelle Weltgeschehen nachzudenken und mit den Erkenntnissen der Geschichte in Beziehung zu setzen. Das Ergebnis des Nachdenkens kann nur sein: Es darf in dieser Welt weder Menschenverfolgung noch Massenvernichtung oder Krieg geben! Und weil viele Menschen auch 70 Jahre nach dem 2. Weltkrieg nicht zu dieser Erkenntnis gekommen sind, ist es umso wichtiger, dass wir entsprechend der Worte des ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzogs am Holocaust-Gedenktag zusammenkommen. Ich zitiere: „Die Erinnerung darf nicht enden; sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen. Es ist deshalb wichtig, nun eine Form des Erinnerns zu finden, die in Zukunft wirkt. Sie soll Trauer über Leid und Verlust ausdrücken, dem Gedanken an die Opfer gewidmet sein und jeder Gefahr der Wiederholung entgegenwirken.“

Meine sehr geehrten Damen und Herren, genau aus diesem Anlass haben wir uns hier und heute versammelt: Wir wollen ein Zeichen setzen wider dem Vergessen, in Erinnerung der vielen Opfer und als Mahnung für nachfolgende Generationen.

Aber nicht nur am heutigen Tage setzen wir hier in Neumünster ein solches Zeichen, sondern in unterschiedlichsten Formen das ganze Jahr hindurch. Insbesondere dem Runden Tisch für Toleranz und Demokratie möchte ich an dieser Stelle ganz herzlichen Dank sagen, für die unermüdliche Arbeit gegen Rechtsextremismus und aufkeimenden Nationalsozialismus. In Neumünster haben wir in den letzten Jahren ein breites Bündnis gegen die Anfeindungen der Rechtsextremisten geschmiedet. Und dieses Bündnis funktioniert gut. Und so kommt es nicht von ungefähr, dass der Club 88 in Neumünster Geschichte ist. Aber auch wenn wir dieses Etappenziel erreicht haben, so dürfen wir in unserer Arbeit nicht nachlassen. Wir müssen insbesondere den Jugendlichen weiterhin verdeutlichen, was die braune Ideologie eigentlich bedeutet und wie menschenverachtend und grausam sie ist. Mit dem heutigen Holocaust-Gedenktag, Ausstellungen wie die „Braune Falle“ im letzten Jahr, Diskussionsveranstaltungen, Lesungen, Mahnmalen wie den Kunstwerken „6 Millionen Nachbarn“ und „Mitmenschen“ im Neuen Rathaus, Führungen zu den Stolpersteinen und der Modernisierung des Volkstrauertages kann uns dies gelingen.

Und unser demokratisches Gemeinwesen in Neumünster, unsere bunte und weltoffene Stadt, wird es auch verkraften, dass die NPD heute einen Kandidaten für die Oberbürgermeister-Wahl aufgestellt hat. Nicht mit den Nazis wollen wir uns auseinandersetzen im Wahlkampf, wohl aber mit den Ängsten, die sie schüren und mit den Problemen der Menschen in dieser Stadt.

In Neumünster wird man die Zeit des Holocausts und des Krieges nicht vergessen. Wir müssen wir uns diesem Teil unserer deutschen Geschichte immer wieder bewusst werden, damit wir daraus die richtigen Handlungen für die Gegenwart ableiten.

Dies ist umso wichtiger, wenn ich an eine Entwicklung in Deutschland denke, die uns alle mit Sorge in die Zukunft blicken lässt. Ich meine natürlich die Demonstrationen, die mit Pegida in Dresden anfingen und sich dann unerwartet schnell in Deutschland ausweiteten. „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“. Ich bin mir gar nicht sicher, ob alle der Teilnehmerinnen und Teilnehmer wissen, welchen Ideologien sie da hinterherlaufen. Aber genau das macht diese Form der Demonstrationen so gefährlich. Sie schüren eine Angst, die die Menschen unter anderem aufgrund von Terroranschlägen haben. Aber meine sehr geehrten Damen und Herren, so wie wir in Deutschland einige Menschen unter uns haben, die extremistischem Gedankengut verfallen sind, so gibt es auch im Islam einige wenige Menschen, die einer falschen Ideologie folgen und dieser leider mit terroristischen Anschlägen Nachdruck verleihen. Deshalb den gesamten Islam zu verurteilen, dass wäre so, als würde man das Christentum aufgrund von durch einzelne Christen immer wieder begangene Verbrechen anprangern. Natürlich verängstigen die Anschläge auf das französische Satire-Magazin Charlie Hebdo auch uns und die Bilder aus Paris aber auch aus Belgien lassen einen nachdenklich werden. Aber meine sehr geehrten Damen und Herren, eine starke Demokratie kann sich solcher Anfeindungen erwehren. Und insofern müssen wir wachsam gegenüber jeglichen extremistischen Entwicklungen sein, aber dürfen auch nicht überreagieren. Neumünster ist eine weltoffene und bunte Stadt. Menschen mit Migrationshintergrund machen einen großen Teil dieser Stadt aus und in vielen Gesprächen mit Muslimen wurde mir immer wieder gesagt, wie schlimm die von fanatischen Islamisten ausgeführten Anschläge für die eigene Religion sind. Der Islam gehört zu Deutschland. Und zwar nicht erst seitdem in einer globalisierten Welt immer mehr Menschen ihre Freizügigkeit nutzen, sondern seitdem vor über 50 Jahren hunderttausende Türkinnen und Türken als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen sind.

Ja. Eine Bewegung wie Pegida, Legida oder Shegida könnte uns auch in Neumünster treffen, insbesondere weil wir mit der zentralen Landesunterkunft eine Einrichtung haben, die Egida-Organisatoren als Kulminationspunkt nutzen könnten. Aber egal, was für einen Namen eine solche Bewegung auch tragen könnte, wenn sie hier in Neumünster Fuss fassen wollte, dann wissen wir, wie wir darauf zu reagieren haben.

Wir - ob nun Muslime, Christen oder Angehörige anderer Weltanschauungen und Religionen, ob nun Migrantinnen und Migranten oder Deutschstämmige - sind Neumünster. Wir sind Neumünster.

Wir haben in den letzten Jahren schon oft bewiesen, dass unser breites demokratisches Bündnis gegen Extremismus steht und wir den Anhängern der braunen Szene klar machen, dass sie hier nicht erwünscht sind. Nicht in Neumünster, nicht in Schleswig-Holstein, nicht in Deutschland, nirgends. Lassen Sie uns deshalb in unserer Arbeit gegen Fremdenfeindlichkeit nicht müde werden.

Wir gedenken heute den Opfern des Nationalsozialismus und legen in diesem Gedenken Kränze vor unserem Mahnmal nieder. Das Mahnmal trägt die Inschrift „Gegen Diktatur und Gewaltherrschaft in Deutschland“ und mahnt uns damit unserer Geschichte. Wir wollen mit der heutigen Gedenkfeier ein Zeichen setzen gegen das Vergessen, in Erinnerung der vielen Opfer und als Mahnung für nachfolgende Generationen. Und wie ich es aufgeführt habe, setzen wir auch ein Zeichen, dass wir Neumünster sind und jeglichen extremistischen Tendenzen in unserer Stadt Einhalt gebieten. Gleichzeitig sind unsere Gedanken auch bei den Opfern der Pariser Anschläge und auch im Sinne von „Je suis Charlie“ legen wir heute unsere Kränze nieder.

Ich darf Sie nun um eine Schweigeminute bitten und möchte im Anschluss diejenigen nach vorne bitten, die einen Kranz am Mahnmal niederlegen möchten.


Ansprache zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus (2013)

Dr. Olaf Tauras
Oberbürgermeister

27. Januar 2013, um 11.30 Uhr
Rathausinnenhof

Sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter 
der Politik,
von Vereinen und Verbänden,
der Kirche
und dem Runden Tisch für Toleranz und Demokratie,
liebe Neumünsteranerinnen und Neumünsteraner,
meine sehr geehrten Damen und Herren.
 
Ich begrüße sie im Namen der Stadt Neumünster hier im Innenhof des Rathauses an unserem Mahnmal „Gegen Diktatur und Gewaltherrschaft in Deutschland“ und danke ihnen für die Teilnahme an dieser Gedenkveranstaltung.
Gleichzeitig darf ich Ihnen im Namen des ebenfalls anwesenden Stadtpräsidenten, Friedrich-Wilhelm Strohdiek, herzliche Grüße übermitteln.
Es war vor einem Jahr, als wir an gleicher Stelle erstmalig den Opfern des Nationalsozialismus anlässlich des Holocaust-Gedenktages gedacht haben. Die Gedenkfeier 2012 gab uns einerseits die Möglichkeit, uns an die Geschichte zu erinnern und andererseits die Kraft, für die im Jahr 2012 aktuell zu bewältigenden Aufgaben gegen Rechtsextremismus.

Im Anschluss an die Feierlichkeiten war allen klar: Das durfte und konnte keine einmalige Aktion bleiben, sondern der Tag zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus sollte auch zukünftig an jedem 27. Januar eines Jahres in unserer Stadt begangen werden.
Ich freue mich, dass auch in diesem Jahr wieder so viele Menschen dem Aufruf zu dieser Gedenkfeier gefolgt sind. Meine besondere Freude möchte ich aber darüber zum Ausdruck bringen, dass der Kirchenkreis Altholstein und die katholische Kirche den Gedenktag aufgegriffen und zu seinem Anlass einen ökumenischen Gottesdienst abgehalten haben.
Viele von den hier Anwesenden waren gerade auch in der Vicelinkirche und haben dem Gedenkgottesdienst beigewohnt.
Sie alle bilden damit einen würdigen Rahmen für diese Veranstaltungen und drücken mit ihrer Teilnahme gleichzeitig ihren Respekt und ihre Trauer gegenüber den Opfern des Nationalsozialismus aus.

Der 27. Januar wurde im Jahre 1996 mit Bedacht als Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus proklamiert, denn es war am 27. Januar 1945, als Soldaten der Roten Armee die Überlebenden des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau befreiten.
Ein Tag des Aufatmens für viele Menschen, die dem Nazi-Regime nicht zum Opfer gefallen sind. Aber auch ein Tag, an dem klar wurde, dass  viele Millionen andere Menschen nicht mehr gerettet werden konnten.

Der 27. Januar ist der Tag, an dem der unvorstellbar vielen Menschen gedacht wird, die unter der totalitären Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten entrechtet, verfolgt, gefoltert und ermordet wurden, nur weil sie nicht in das nationalsozialistische Weltbild passten: Juden, Christen, Sinti und Roma, Behinderte, Homosexuelle, Widerstandskämpferinnen und -kämpfer, Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, Andersdenkende. 

Auch Jahrzehnte nach Ende des Krieges müssen wir uns diesem Teil unserer deutschen Geschichte immer wieder bewusst werden.
Roman Herzog sagte anlässlich der Rede zum Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus 1996: „Geschichte verblasst schnell, wenn sie nicht Teil des eigenen Erlebens war. Deshalb geht es darum, aus der Erinnerung immer wieder lebendige Zukunft werden zu lassen. Wir wollen nicht unser Entsetzen konservieren. Wir wollen Lehren ziehen, die auch künftigen Generationen Orientierung sind.“

Meine sehr geehrten Damen und Herren, es geht am heutigen Tag nicht nur um die Erinnerung an sich, sondern auch um die Vermittlung des Geschehenen an die nachfolgenden Generationen und um die Reflektion der unvorstellbaren Gräueltaten. Die Beschäftigung mit der Geschichte dient der Orientierung in der Gegenwart. Es ist wichtig, sich zu erinnern, um auf aktuelle Entwicklungen in Deutschland richtig reagieren zu können.

Ja, wir wollen mit der heutigen Gedenkfeier ein Zeichen setzen wider das Vergessen, in Erinnerung der vielen Opfer und als Mahnmal für nachfolgende Generationen. Aber wir finden uns auch zusammen, um aufkeimenden rechtsextremistischen Tendenzen die Stirn zu bieten.
Wie dieses bürgerschaftliche Engagement gegen Fremdenhass und Rechtsextremismus aussehen kann, hat diese Stadt, habe viele tausende Bürgerinnen und Bürger, im letzten Jahr bewiesen. Wir haben gemeinsam, mit viel Einsatz aus allen gesellschaftlichen Bereichen, gezeigt, dass Neumünster eine bunte, eine vielfältige Stadt ist und Rechtsextreme hier nicht erwünscht sind. Nicht hier in Neumünster, nicht im Land, nirgendwo! Ich möchte mich an dieser Stelle nochmals bei allen Beteiligten, bei den Kirchen, bei den Parteien, den Gewerkschaften, den vielen Vereinen und Verbänden, bei dem Runden Tisch für Toleranz und Demokratie und vielen anderen, aber insbesondere bei den Neumünsteranerinnen und Neumünsteranern, für dieses gemeinschaftliche Engagement gegen Rechtsextremismus bedanken.
Mehrfach mussten wir uns formieren, um der NPD entgegentreten. Meine Damen und Herren, dies ist uns mit Erfolg gelungen und ich glaube, unsere Stadt hat damit nachdrücklich bewiesen, dass sie eben keine Hochburg der Rechtsextremisten ist, als die sie über Jahre verschrien war.
Neumünster ist eine weltoffene und tolerante Stadt. Hier leben viele Menschen unterschiedlichster Herkunft und Nationalität friedlich miteinander und gerade diese Mischung ist es, die unsere Gemeinschaft wertvoll und lebenswert macht.
Frau Prof. Dr. Rita Süßmuth sagte einmal: 
„Wir wissen aber auch um die erneuten Gefahren von Nationalismus, Antisemitismus, Rassenhass und Fundamentalismus bei uns in Deutschland und anderswo - Tag für Tag. Und wir wissen, wie sehr politische Wachsamkeit gefordert ist. Es ist unsere Pflicht, über den Holocaust aufzuklären, um eine Wiederholung dieser grauenhaften Geschehnisse zu verhindern. Gerade viele der jungen Generation wollen wissen, was geschehen ist. Sie wollen die Erinnerung daran wach halten. Sie möchten bewusst machen, vorbeugen und verhindern. Die Jugendlichen wollen diese Aufgaben mit Leben erfüllen, weil die Gefahren und Gefährdungen, die durch Radikalismus. Extremismus, Menschenverachtung und nationale Hybris entstehen, mit dem Ende des Nationalsozialismus nicht für immer beseitigt wurden.“

In diesen Worten wird eine wichtige Aufgabe deutlich: Es gilt, insbesondere die jungen Menschen durch Aufklärung und Information vom Rechtsextremismus fernzuhalten und ihm so seinen Nährboden zu entziehen.
Der Holsteinische Courier prägte die Aktion „Euer Hass ist unser Ansporn. Wir lassen unsere Stadt nicht im Stich.“ 
Meine sehr geehrten Damen und Herren, wir lassen nicht nur unsere Stadt nicht im Stich, sondern auch ganz besonders die junge Generation in unserer Stadt nicht!

Wir müssen uns stets der rechtsextremistischen Gefahr bewusst sein und müssen alles Erdenkliche tun, damit sich so bestialische Verbrechen wie die der „Zwickauer Terrorzelle“ nicht wiederholen.
Ich kann nicht verstehen, warum es gerade vor dem Hintergrund unserer Geschichte immer noch Menschen gibt, die mit ihrer rechten Gesinnung Jagd auf vermeintlich Fremde machen.
Es muss uns gelingen, diesen rechtsextremistischen Tendenzen in unserem Land Einhalt zu gebieten.
Im letzten Jahr haben wir viel dafür in Neumünster getan, aber wir müssen die gewonnene Stärke mitnehmen und daraus die Kraft schöpfen, um Tag für Tag gegen Rechtsextremismus zu kämpfen und insbesondere Kinder und Jugendliche aufzuklären. Der Runde Tisch für Toleranz und Demokratie arbeitet mit viel Hingabe an diesem Ziel. Und so möchte ich denn auch die Gelegenheit nutzen, um auf eine sehr interessante und hochkarätig besetzte Veranstaltung hinzuweisen: „Ist Faschismus (nur) eine Meinung? Wie sollen wir Demokraten umgehen mit NPD und anderen Nazis“ am 08. Februar um 17.30 Uhr im Museum Tuch und Technik mit Edzard Schmidt-Jortzig und Hans-Ernst Böttcher.

Sie sehen, in Neumünster wird ganz konkret gearbeitet. Und meine sehr geehrten Damen und Herren, viele weitere Aktionen werden folgen.
So planen wir derzeit beispielsweise, eine Ausstellung des Bundesverfassungsschutzes ins Rathaus zu holen, um speziell Jugendlichen einen Einblick in die Strategien und Strukturen des Rechtsextremismus aufzuzeigen, damit sie nicht auf dieses Gedankengut hereinfallen.

Aber wir wollen nicht nur Menschen aufklären und Bewusstsein für dieses Thema schaffen, sondern wir wollen als Stadt auch zeigen, dass Integration in Neumünster gelebt wird.
Wie können wir Rechtsextremisten am besten zeigen, wie falsch ihre Ansichten sind?
Indem wir ihnen zeigen, dass Menschen mit Migrationshintergrund in unserer Stadt erwünscht sind, wir gerne mit ihnen zusammenleben und wir gemeinsam unser vielfältiges, buntes und demokratisches Gemeinwesen bilden. Es muss uns gelingen, die Willkommenskultur für Migrantinnen und Migranten in dieser Stadt zu verbessern. Auch vor diesem Hintergrund wurde auf Vorschlag der Verwaltung hin durch die Ratsversammlung die Stelle einer oder eines Integrationsbeauftragten bei der Stadt Neumünster eingerichtet und soll nun bald besetzt werden.

Liebe Anwesende, wir dürfen die Zeit des Holocausts und des Krieges nicht vergessen.
Daran soll uns auch das Mahnmal erinnern, vor dem wir hier und heute stehen und an dem wir zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus gleich Kränze niederlegen wollen.
Ein Mahnmal, das lange Zeit ein Schattendasein in unserer Stadt fristete, das mit diesem Gedenktag aber wieder an Bedeutung gewonnen hat. Es verweist mit der 1933 auf das tragische Jahr, an dem Hitler an die Macht kam und ab dem so viel Leid über die Menschheit gebracht wurde. Gleichzeitig steht dort geschrieben: „Gegen Diktatur und Gewaltherrschaft in Deutschland“.

Genau darum geht es uns heute und geht es uns immer:
Wir wollen ein Zeichen gegen Rechtsextremismus setzen!
Genau dieses tun Sie mit Ihrer Anwesenheit heute und dafür möchte ich mich bei Ihnen bedanken.
Ich darf Sie nun um eine Schweigeminute für die Opfer des Nationalsozialismus und für die Opfer von Rechtsextremismus bitten und möchte im Anschluss diejenigen nach vorne bitten, die einen Kranz am Mahnmal niederlegen möchten.
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Vielen Dank