Neumünster - BUNT statt braun.

Der Völkermord an den Sinti und Roma

Der Völkermord an den Sinti und Roma wurde systematisch vorbereitet.
Die Entrechtung und schrittweise Ausgrenzung aus dem öffentlichen Leben wurde durch die Nürnberger Gesetze auf eine neue rechtliche Grundlage gestellt. Eheschließungen mit Sinti und Roma wurden unter Strafe gestellt, dies galt auch für bereits bestehende Ehen.

Im Weiteren verloren Sinti und Roma ihr Wahlrecht, wurden aus der Wehrmacht ausgeschlossen, den Kindern wurde der Schulbesuch verwehrt, das Vermieten von Wohnungen an Sinti und Roma wurde untersagt, sie durften nur noch zu begrenzten Zeiten in wenigen Geschäften einkaufen und ihr Ausschluss aus dem Arbeitsleben wurde vorangetrieben. Oftmals ging dabei die Initiative für diskriminierende Sonderbestimmungen vor Ort von den Behörden der Kommunen aus. In vielen deutschen Städten waren auch schon früh KZ-ähnliche Internierungslager für Sinti u. Roma entstanden, in denen ohne jede Rechtsgrundlage unter brutalen Bedingungen ganze Familien inhaftiert wurden.

Als es den Sinti und Roma ab 1939 unter Androhung von KZ-Haft verboten wurde, ihre Wohnorte zu verlassen und ihnen ihre deutschen Pässe weggenommen wurden, war (....) dies eine weitere vorbereitende Maßnahme, um sie in Ghettos in das besetzte Polen deportieren zu können. Auch hierbei beteiligten sich später viele Kommunen unmittelbar an den Deportationen in Konzentrations- und Vernichtungslager.


Um eine strukturierte Planungsgrundlage für den Völkermord zu erhalten, ließen die Nazis 1936 in Berlin die sog. „Rassenhygienische Forschungsstelle“ gründen, um ausnahmslos alle Sinti und Roma im gesamten Reichsgebiet ausfindig zu machen und zu registrieren. Dort wurde über Leben und Tod von zigtausenden von Menschen entschieden, nachweislich auch über das von Bürgern unserer Stadt.
Es wurden daraufhin tausende gewaltsame Zwangssterilisationen durchgeführt, oft schon an Kindern unter 14 Jahren.
In dem als „Auschwitz-Erlass“ bekannten Schreiben aus dem Jahr 1942 befahl Heinrich Himmler schließlich ausdrücklich die Deportation sämtlicher noch im Reichsgebiet lebender Sinti und Roma und dehnte die Verfolgung zusätzlich über das gesamte besetzte Europa aus.

Hunderttausende fielen Massenerschießungen zum Opfer oder wurden verschleppt, die meisten in das sogenannte „Zigeunerlager“ in Auschwitz-Birkenau. Unter ihnen waren vor allem auch sehr, sehr viele Kinder, die dort hilflos den grausamen Verbrechen des Lagerarztes Dr. Mengele ausgesetzt waren.


Schätzungsweise 500.000 Sinti und Roma wurden durch das Nazi-Regime ermordet. Die wenigen Überlebenden wurden mit den Folgen weitgehend allein gelassen. Der Völkermord an den Sinti und Roma wurde jahrzehntelang in der Öffentlichkeit nicht angemessen thematisiert, den Opfern kaum Interesse entgegengebracht. Den meisten Überlebenden wurde eine Entschädigung verwehrt, oft von den gleichen Tätern, die nach dem Krieg (längst) wieder in ihre alten Ämter zurückkehren konnten.