Neumünster - BUNT statt braun.

Ausgrenzung und rassistische Angriffe nach 1945

Fast genau 60 Jahre nach dem Auschwitz-Erlass und nach mehr als 20-jähriger mühsamer Diskussion wurde am 24.10.2012  endlich auch ein zentrales „Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas“ (nach einem Entwurf von Dani Karavan) in Berlin eingeweiht.

Ein kreisrundes Wasserbecken mit „endlos tiefem Grund“, in dessen Zentrum eine dreieckige Stele eintaucht, die den „Winkel“ der KZ-Insassen symbolisiert, soll an den Porajmos erinnern, den von den Nazis an den „als Zigeuner verfolgten“ Minderheiten Sinti und Roma sowie weiteren ethnischen Teilgruppen begangenen Völkermord.
In einer „Chronologie des Völkermords an Sinti und Roma“ wird klargestellt, dass dieser von den Nazis aus dem gleichen Motiv des Rassenwahns, mit dem gleichen Vorsatz und dem gleichen Willen zur planmäßigen und endgültigen Vernichtung durchgeführt worden ist, wie der an den Juden, dem Holocaust, der Shoa.

                              Auschwitz
„Eingefallenes Gesicht / Erloschene Augen / Kalte Lippen
                                      Stille
ein zerrissenes Herz / ohne Atem / keine Tränen“


Dieses Gedicht (des italienischen Róm Santino Spinelli) kann man dort in Berlin lesen und dabei der (von Romeo Franz komponierten) Melodie „Mare Manuschenge“ nachlauschen.

Auch heute, nachdem der Streit um das Denkmal beigelegt und neben dem Holocaust- endlich auch ein Porajmos-Denkmal existiert, sehen sich Sinti und Roma in Deutschland weiterhin rassistischen Anfeindungen und Diskriminierungen ausgesetzt.
Das fängt bei herabwürdigenden Äußerungen, Sprüchen und Stammtischparolen an und hört bei Zugangsverweigerungen zum Arbeitsmarkt, zum Wohnungsmarkt oder ganz banal zu Clubs und Diskotheken nicht auf.

Die in Neumünster seit vielen Generationen lebende Sinti-Familie, die in Kontakt zu unserem  Bündnis gegen Rechts und zum Runden Tisch für Toleranz und Demokratie steht, kann auch davon ein vielfältiges „Klagelied“ singen.

Im Sommer des vergangenen Jahres pflasterte die NPD unsere Stadt mit volksverdummenden, Islamfeindlichen und extrem rassistischen Plakaten zu, darunter auch solche mit der volksverhetzenden Parole „Geld für die Oma statt für Sinti & Roma“. Zusammen mit Schoko-Weihnachtsmännern wurden noch kurz vor Weihnachten Flyer mit eben dieser Botschaft an Kinder und deren Eltern verteilt.
Wie die aktuelle Diskussion über die Zuwanderung hungernder und frierender Menschen aus Rumänien und Bulgarien in die reicheren EU-Länder bzw. nach Deutschland zeigt, sprechen die NPD-Nazis nur unverblümt das aus, was andere Politiker und Politikerinnen hinter der scheinbar politisch korrekten Formulierung von der „Armutswanderung in die deutschen Sozialsysteme“ verstecken.
Leider, so ist zu vermuten, können sie sich der Zustimmung und der Stimmabgabe eines Großteils unserer Bevölkerung sicher sein.
Wenn sie gewissermaßen laut denken:
„Der von uns Deutschen hart erarbeitete Wohlstand gehört uns. Wir wollen ihn nicht teilen und nichts davon abgeben. In unser Land zuwandern dürfen und sollen ausschließlich gut ausgebildete und arbeitsfähige Menschen, die unseren Wohlstand durch ihre Produktivität sichern und erhalten helfen. Dazu gehören jedoch nicht die arbeitslosen Roma aus Südosteuropa, die dort unter völlig verelendeten Verhältnissen dahinvegetieren. Für sie sind wir nicht zuständig! Wir können sie hier einfach nicht gebrauchen!“

Bisher mussten wir uns noch nicht vor die Zentralunterkunft für AsylbewerberInnen und Flüchtlinge im Haart stellen, um diese gegen einen von den Nazis aufgeputschten Mob zu verteidigen, wie es vor Monaten in Berlin und in Schneeberg notwendig wurde. Der Europawahlkampf wirft jedoch seine unheilvollen Schatten voraus.
AfD- und andere Politiker werden die vorhandenen wohlstandschauvinistischen und rassistischen Stimmungen über die Medien weiter anheizen.

Die Nazis von NPD und anderen rechtsextremistischen Parteien bräuchten dann nur noch über Twitter und Facebook zum Flashmob aufzurufen.

Soweit allerdings dürfen und werden wir es in unserer Stadt nicht kommen lassen!
Große Hoffnungen setzen wir in die Fortentwicklung einer echten Willkommenskultur in Schleswig-Holstein und gerade auch in Neumünster. Ein diesbezüglicher Meilenstein wird die Gründung des „Forums der Vielfalt“ am 7. Februar im Bildungszentrum Vicelinviertel sein.