Neumünster - BUNT statt braun.

Elie Wiesel

Elie Wiesel hat das KZ in Auschwitz überlebt. Ebenso Auschwitz-Monowitz und Buchenwald. Er emigrierte in die USA, wurde Schriftsteller und 2003 für seine Vorbildfunktion im Kampf gegen Gewalt, Unterdrückung und Rassismus für den Friedensnobelpreis vorschgeschlagen. Er schreibt in seiner Erinnerung:
"Nie werde ich diese Nacht vergessen, die erste Nacht im Lager, die aus meinem Leben eine siebenmal verriegelte lange Nacht gemacht hat. Nie werde ich diesen Rauch vergessen. Nie werde ich die kleinen Gesichter der Kinder vergessen, deren Körper vor meinen Augen als Spiralen zum blauen Himmel aufstiegen.  Nie werde ich die Flammen vergessen, die meinen Glauben für immer verzehrten. Nie werde ich das nächtliche Schweigen vergessen, das mich in alle Ewigkeit um die Lust am Leben gebracht hat. Nie werde ich die Augenblicke vergessen, die meinen Gott und meine Seele mordeten, und meine Träume, die das Antlitz der Wüste annahmen. Nie werde ich das vergessen, und wenn ich dazu verurteilt wäre, so lange wie Gott zu leben. Nie."  (Elie Wiesel: Die Nacht. Erinnerung und Zeugnis, Freiburg, Herder 2008, S. 56.)

Egon Minden

Egon Salomon Minden wohnte auf dem Großflecken, in der Christianstraße, in der Wasbeker Str und auch Hinter der Kirche 6, bevor er in der Wasbeker Str. 10 mit seiner Frau Bianka 8 Jahre ein Textilgeschäft mit Schneiderwerkstatt führte - bis zum 9. November 1938.  (Dort findet sich auch sein Stolperstein.) Er schreibt am 6. November 39 in Erinnerung an die Pogrome vom 9. November 38 ein Jahr zuvor aus Belgien, wohin er zwangsemigrieren musste:  

„Mir geht es gut, nur habe ich noch viel Schmerzen im Gesäß, wo mich die Teufelshunde im KZ so geschlagen hatten. Hoffe sehr in einigen Monaten wieder hergestellt zu sein. Morgen werde ich durchleuchtet (geröngt) und gründlich untersucht. Habe auch noch das Nesselfieber und kann vor Hautjucken manche Nacht keinen Schlaf finden. Dann die Nerven. Aber wenn die Unruhe erst von mir weicht, werde ich wohl ganz gesund werden. Ich denke noch immer an die Leidenszeit und habe oft Wahnvorstellungen, dass ich verfolgt werde“ (Gerhard Scheurich, Ein Stolperstein mit Fragezeichen, Neumünster, 2011, S. 21)

Später sollte er über Frankreich nach Auschwitz deportiert werden. Dort kam er jedoch nicht an. Er lässt sein Leben auf einem der Todesmärsche von Bergen-Belsen aus, vermutlich im März oder April 1945. Aus einem Arbeitslager östlich von Marseille erreicht seine Schwester in England am 5. Juli 1942 ein letztes Lebenszeichen:
 „Sollen Mut behalten. Habt ihr es doch besser als wir denn mit uns kann man machen was man will. Spielball. Oder noch schlimmer. Hoffe aber das noch alles gut abgeht.“ (ebd. S.43).